+49 160 44 80 661 hello@nadine-krumm.com

Wenn Menschen an meine Arbeit denken, sehen sie meistens die 30 bis 45 Minuten der Trauerfeier.

Ich stehe vorne, erzähle die Lebensgeschichte eines Menschen, begleite die Zeremonie und vielleicht singe ich noch einige Lieder.

Was viele nicht sehen, sind die vielen Stunden davor.

Und genau diese Zeit macht am Ende den Unterschied.

Der Alltag von Nadine Krumm als freie Trauerrednerin und Trauersängerin im Sauerland und Siegerland.

Der erste Anruf

Oft beginnt alles mit einem Anruf des Bestatters oder direkt von den Angehörigen.

Dann prüfe ich als Erstes, ob ich den Termin möglich machen kann.

Gerade weil Trauerfeiern nicht verschoben werden können, versuche ich – selbst in sehr vollen Wochen – vieles möglich zu machen. Denn ich weiß, dass Angehörige in dieser Situation Verlässlichkeit brauchen.

Das erste Gespräch

Wenn mich ein Bestatter vermittelt hat, melde ich mich zeitnah bei den Angehörigen. Wir vereinbaren ein persönliches Gespräch – meistens bei ihnen zu Hause.

Warum?

Weil sich die meisten Menschen in ihrer vertrauten Umgebung am wohlsten fühlen. Manchmal wohnen Angehörige weiter entfernt. Dann treffen wir uns per Videotelefonie. Beides funktioniert gut.

Wichtig ist nur, dass genügend Zeit füreinander da ist.

Hinter jeder Haustür wartet eine andere Geschichte

Bevor ich klingele, weiß ich nie, was mich erwartet.

Jede Familie trauert anders. Manche möchten sofort erzählen, andere finden zunächst kaum Worte. Manchmal wird geweint, manchmal wird gelacht, manchmal beides gleichzeitig. Und manchmal trauern sogar Geschwister völlig unterschiedlich.

Genau darauf stelle ich mich ein.

Ich glaube, dass man diesen Beruf nicht einfach lernen kann. Natürlich braucht es Erfahrung. Natürlich braucht es Fachwissen. Aber vor allem braucht es echtes Interesse an Menschen, Empathie und die Fähigkeit, zuzuhören. Nicht nur den Worten. Auch dem, was zwischen den Zeilen gesagt wird.

Ich schaue nie auf die Uhr

Ein Vorgespräch dauert so lange, wie es eben dauert.

Es gibt Familien, die nach einer Stunde alles erzählt haben. Andere brauchen drei Stunden. Und das ist vollkommen in Ordnung. Denn in dieser Zeit entsteht Vertrauen. Und Vertrauen ist die Grundlage für alles, was später folgt.

Aus vielen Erinnerungen entsteht eine Geschichte

Nach dem Gespräch beginnt der Teil meiner Arbeit, den kaum jemand sieht.

Ich sortiere meine Notizen, recherchiere, lasse das Gespräch noch einmal Revue passieren.

Oft entdecke ich dabei den roten Faden, der sich durch das Leben des verstorbenen Menschen gezogen hat.

Vielleicht ist es eine Leidenschaft, ein Hobby, eine besondere Fähigkeit. Oder eine kleine Anekdote, die so typisch war, dass sofort alle schmunzeln müssen.

Darauf baut später die gesamte Rede auf. Sie entsteht nicht aus Vorlagen, sondern aus einem Leben.

Allein für die Erstellung der Rede investiere ich meist fünf bis sechs Stunden – manchmal sogar mehr.

Denn ich möchte nicht einfach Informationen wiedergeben. Ich möchte einen Menschen sichtbar machen.

Auch nach dem Gespräch bin ich erreichbar

Oft fallen Angehörigen erst später weitere Erinnerungen ein. Manchmal ruft noch eine Tochter an. Oder ein langjähriger Freund. Oder es tauchen Fotos oder Geschichten auf, die unbedingt noch ihren Platz finden sollen.

Natürlich nehme ich diese Informationen auf und arbeite sie in die Rede ein. Denn jede Erinnerung kann den Abschied noch persönlicher machen.

Wenn Musik hinzukommt

Viele Familien wünschen sich zusätzlich Live-Gesang.

Manche Lieder gehören bereits zu meinem Repertoire. Andere lerne ich eigens für diese Trauerfeier neu.

Ich suche passende Instrumentalversionen, übe die Stücke und bereite alles sorgfältig vor. Denn jedes Lied soll genau die Stimmung transportieren, die sich die Angehörigen wünschen.

Am Tag der Trauerfeier

Ich bin grundsätzlich früh vor Ort, mindestens eine Stunde vorher.

Ich baue meine Technik auf, mache einen Soundcheck, stimme mich mit dem Bestatter ab, überprüfe den Ablauf.

Und wenn sowohl an der Kapelle als auch am Grab Musik erklingt, bereite ich beides entsprechend vor.

Viele dieser Arbeiten bemerken die Gäste gar nicht. Und genau so soll es sein. Denn wenn alles reibungslos funktioniert, können sich die Angehörigen ganz auf ihren Abschied konzentrieren.

Professionalität bedeutet auch Vorbereitung

Zu meiner Arbeit gehört weit mehr als Gespräche und Reden.

Meine Technik wird regelmäßig gewartet und geprüft. Ich arbeite mit hochwertigem Equipment und habe Ersatz dabei, falls einmal etwas ausfallen sollte.

Außerdem investiere ich regelmäßig in Fortbildungen, Fachliteratur und Seminare, weil ich überzeugt bin, dass gute Begleitung niemals stehen bleiben darf.

Warum ich all das erzähle

Nicht, um aufzuzählen, wie viele Stunden ich arbeite und auch nicht, um meine Arbeit zu rechtfertigen.

Sondern weil ich zeigen möchte, dass eine Trauerfeier lange vor dem eigentlichen Abschied beginnt.

Sie beginnt mit Zuhören, mit Vertrauen, mit vielen kleinen Entscheidungen, mit Liebe zum Detail. Und mit dem Wunsch, einen Abschied zu gestalten, der den Menschen gerecht wird.

Denn genau das ist mein Anspruch bei jeder einzelnen Trauerfeier.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner