Es gibt Momente im Leben, auf die uns niemand vorbereiten kann.
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, steht die Welt plötzlich still. Neben der Trauer kommen unzählige Fragen auf einen zu. Entscheidungen müssen getroffen werden, obwohl einem eigentlich gar nicht danach ist. Und oft bleibt kaum Zeit, sich bewusst mit dem auseinanderzusetzen, was dieser Abschied bedeuten darf.
Genau in diesen Momenten wünsche ich mir für jeden Menschen jemanden an seiner Seite, der zuhört, Orientierung gibt und Halt schenkt.
Deshalb gibt es diesen Blog.
Ich möchte dir zeigen, dass Abschiede heute viel persönlicher sein dürfen, als viele Menschen es bisher erlebt haben. Dass Trauer ihren eigenen Weg gehen darf. Und dass eine Abschiedsfeier nicht nur vom Tod erzählen muss, sondern vor allem von dem Leben eines einzigartigen Menschen.
Mein Weg begann mit der Musik
Musik begleitet mich, seit ich zwölf Jahre alt bin.
Ich habe in Chören gesungen, in Bands auf der Bühne gestanden und schließlich vor über zehn Jahren den Schritt gewagt, mich nebenberuflich als Sängerin selbstständig zu machen. Viele Jahre durfte ich Hochzeiten und andere besondere Anlässe musikalisch begleiten.
Beruflich war ich damals noch in einer ganz anderen Welt zu Hause. Nach einer Ausbildung im IT-Bereich und einem Studium der Betriebswirtschaft arbeitete ich viele Jahre im Marketing verschiedener Unternehmen.
Dass ich eines Tages hauptberuflich Menschen bei Abschieden begleiten würde, hätte ich mir damals niemals vorstellen können.
Abschiede, die mich nachdenklich gemacht haben
Wie viele Menschen musste auch ich mich im Laufe meines Lebens von Menschen verabschieden, die mir sehr am Herzen lagen.
Die Trauerfeiern, die ich erlebt habe, waren überwiegend kirchlich geprägt. Sie waren würdevoll – und doch blieb bei mir oft das Gefühl zurück, dass der Mensch selbst kaum sichtbar wurde.
Was ist mir von diesen Zeremonien in Erinnerung geblieben? Vor allem die Musik. Die Lieder haben mich berührt. Sie haben Gefühle geweckt und Erinnerungen getragen. Von den Zeremonien selbst blieb dagegen oft nur wenig.
Damals entstand zum ersten Mal der Gedanke, dass ein Abschied vielleicht auch anders aussehen könnte. Persönlicher. Wärmer. Näher am Menschen.
Ohne dass ich wusste, dass dieser Gedanke mein eigenes Leben einmal verändern würde.
Als Worte zur Musik dazukamen
Vor einigen Jahren entschied ich mich für eine Ausbildung zur freien Rednerin.
Mein ursprünglicher Gedanke war, Brautpaare nicht nur mit meinem Gesang, sondern auch mit einer persönlichen Traurede begleiten zu können. Mich haben schon immer die Geschichten der Menschen fasziniert – ihre Begegnungen, ihre gemeinsamen Erlebnisse und das, was sie einzigartig macht.
Mit der Zeit entstand der Wunsch, mich vollständig selbstständig zu machen. Und damit kam auch eine Frage auf, die mich lange beschäftigt hat:
Kann ich Menschen auch in ihrer Trauer begleiten?
Ich wusste nicht, ob ich dieser Aufgabe emotional gewachsen sein würde. Schließlich taucht man als Trauerrednerin tief in Lebensgeschichten ein. Man begegnet Schmerz, Verlust und großer Traurigkeit.
Einige Bestatter schenkten mir trotzdem ihr Vertrauen und gaben mir die Möglichkeit, meine ersten Abschiedsfeiern zu gestalten. Dafür bin ich bis heute unendlich dankbar.
Die erste Abschiedsfeier hat alles verändert
Schon nach der ersten Trauerfeier wusste ich:
Das ist genau der Ort, an dem ich sein möchte.
Und zwar nicht, weil Trauer leicht wäre, sondern weil ich erlebt habe, wie viel Trost ein persönlicher Abschied schenken kann. Wie wertvoll es ist, wenn Angehörige nicht nur weinen, sondern zwischendurch auch lächeln dürfen. Wenn Erinnerungen erzählt werden. Wenn aus Tränen manchmal ein leises Lachen wird. Wenn ein Lied genau das ausdrückt, wofür Worte allein nicht ausreichen.
Seitdem erfüllt mich diese Arbeit jeden Tag aufs Neue.
Jeder Mensch ist einzigartig. Genau so darf auch sein Abschied sein.
Ich glaube nicht an Abschiede „von der Stange“. Ich glaube daran, dass jede Trauerfeier so individuell sein darf wie der Mensch, von dem wir Abschied nehmen.
Deshalb höre ich zu. Ich stelle Fragen. Ich sammle Erinnerungen. Ich suche nach den kleinen Geschichten, den besonderen Eigenheiten und den Momenten, die einen Menschen ausgemacht haben.
Oft entsteht dabei ein Bild. Vielleicht ist es ein Hobby. Ein Lieblingsort. Eine besondere Eigenschaft. Ein Satz, den dieser Mensch immer gesagt hat. Oder eine kleine Anekdote, über die alle plötzlich lächeln müssen.
Genau daraus entsteht später die Zeremonie. Nicht aus vorgefertigten Texten, sondern aus einem Leben.
Trauer darf den eigenen Weg gehen
Etwas liegt mir besonders am Herzen:
Es gibt kein richtig oder falsch beim Abschiednehmen.
Jede Familie trauert anders. Jeder Mensch verarbeitet Verlust auf seine eigene Weise.
Deshalb ermutige ich Angehörige immer, ihren eigenen Weg zu gehen.
Vielleicht möchten sie selbst etwas sagen.
Vielleicht möchte ein Enkel ein Bild malen.
Vielleicht soll das Lieblingslied laut gespielt werden.
Vielleicht passt eine traditionelle Zeremonie.
Vielleicht aber auch etwas ganz anderes.
Wichtig ist nicht, was andere erwarten. Wichtig ist, dass sich der Abschied richtig anfühlt.
Vertrauen entsteht durch Menschlichkeit
Auf meiner Webseite und in meinen Gesprächen duze ich die meisten Menschen.
Nicht, weil das moderner wirkt, sondern weil Nähe entstehen darf.
Natürlich frage ich immer zuerst, womit sich die Angehörigen wohler fühlen. Die allermeisten entscheiden sich ganz bewusst für das Du.
Vielleicht, weil sie in dieser besonderen Situation keine Distanz brauchen, sondern einen Menschen, der zuhört. Jemanden, der Sicherheit gibt. Der Fragen beantwortet. Der den Überblick behält. Der gemeinsam mit dem Bestatter alles organisiert, damit sich die Familie auf das Wesentliche konzentrieren kann.
Ich sehe mich in dieser Zeit als Begleiterin. Als jemand, der da ist. Nicht nur während der Trauerfeier, sondern schon lange davor.
Warum ich diesen Blog schreibe
Mit diesem Blog möchte ich zeigen, was heute alles möglich ist.
Ich möchte Fragen beantworten, die sich viele Angehörige stellen.
Ich möchte Einblicke in meine Arbeit geben.
Ich möchte über Fortbildungen berichten, Bücher empfehlen und von Projekten erzählen, die mir am Herzen liegen.
Vor allem aber möchte ich Mut machen. Mut, den Abschied so zu gestalten, wie er zu dem Menschen passt, von dem ihr euch verabschiedet. Mut, eigene Wege zu gehen. Und Mut, zu erkennen, dass Trauer und schöne Erinnerungen nebeneinander bestehen dürfen.
Denn der Tod gehört zum Leben. Und ein liebevoller Abschied ist das letzte Geschenk, das wir einem Menschen machen können.
Ich freue mich sehr, dass du hier bist. Vielleicht findest du auf diesem Blog Antworten auf Fragen, die dich gerade beschäftigen.
Vielleicht neue Gedanken.
Vielleicht ein wenig Orientierung.
Und vielleicht einfach das gute Gefühl, mit deiner Trauer nicht allein zu sein.
Gerne kannst du mir auch Themen zukommen lassen, die dich interessieren und die ich in meinen nächsten Beiträgen aufgreifen soll. Schreib mir dafür einfach eine Mail an: hello@nadine-krumm.com
Herzliche Grüße
Nadine